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Biometrischer Klitschko-Minijob

Tokyo rückt näher. Mein Weihnachtswunschkoffer wurde diese Woche bestellt. Meine Kollegen haben zugestimmt, dass ich im angedachten Zeitraum Urlaub machen kann - es darf immer nur einer im Büro fehlen und ich habe nicht früh genug gesehen, dass da auch noch Osterferien in Niedersachsen sind.

Und zu einer Fernreise gehört nunmal auch ein Reisepass. in biometrischer ePass, versteht sich. Mit Verbrecherfoto. Also bin ich brav zum Fotografen gegangen (es sei erwähnt: Foto Dose in Hannover am Hauptbahnhof) und habe mich ablichten lassen. Was soll ich sagen: Ich bin enttäuscht. Ein Knips, ein Blitz, und der gute Mann rannte davon mit einem "Hab ich". Aha. Toll. Darf ich das auch mal sehen? Ich mäkel eh immer an anderen rum, die mich fotografieren.

Ja, tatsächlich schaffen es andere nicht, vernünftige Bilder von mir zu machen. Ich sehe immer scheußlich darauf aus. Sie bereiten vor, weisen eine eventuelle Pose an und setzen dann einen von mir so verabscheuten weil unnatürlichen Blitz ein. Gut, einem Fotografen für biometrische Passbilder kann ich das mit dem Blitz nun wirklich nicht übel nehmen, und wenn ich zu schnell fahre, darf ich auch dem Starenkasten nichts böses hinterherrufen - man hat sich dem Risiko in beiden Fällen ja mehr oder minder bewusst ausgesetzt. Wenn ich aber einfach mal so - ohne in den Spiegel zu schauen - die Kamera auf mich selbst richte und einfach abdrücke, finde ich es zu 90 % gelungen.

Wie dem auch sei: Nach "5 Minuten" laut meines Fotografen, tatsächlichen 12 Minuten laut diverser Zeitmesser und -anzeiger, erhielt ich meine Fotos. Na toll. Eckiges Mondgesicht mit Schweinsäuglein. Wenn das nicht beglückt. War total deprimiert und habe mal wieder Heulkrampfgedanken gehegt. Nach mehrmaligem Herausziehen der Bilder aus der Fototasche dachte ich mir aber "Was solls - es ist für ein Ausweisdokument, das vielleicht 25 Personen in seiner Laufzeit von 10 Jahren erblicken werden. Von über 80 Millionen deutschen und insgesamt etwa 6,7 Milliarden Erdenbürgern (wenn er abläuft, könnten es bis zu 7,6 Milliarden sein).

Also: Who cares ?!

Mein Freund sollte mich dann in der Stadt abholen. Er war auf dem Flohmarkt, ich eben Passfotos machen, pseudo-Shoppen und einen Teil von seinem Weihnachtsgeschenk suchen (und finden). Mein Handy war leer, wussten wir aber auch beide. Ich meine, wir haben versucht, vorher einn Treffpunkt auszumachen. Die Uhrzeit war bekannt. Entweder war ich entgegen meiner sonstigen Art absolut abwesend, oder wir haben wirklich dank mehrerer Zwischenthemen vergessen, wo dieser Aufsammelpunkt sein wird.

Jedenfalls war es a...llerbitterst kalt, noch viel zu früh, ich schon viel zu "fertig" (also zu schnell) und ich konnte mich mit meiner weißen Tragetasche nicht so recht entscheiden, welchen dieser allseits gestressten Mitbürger meiner Stadt diverser Nationalitäten und hauptsächlich zweierlei Geschlechts ich nun auf einen zu erflehenden Telefonanruf per Handy ansprechen sollte.

Da kam mir ein Kerl aus einem Parkplatz entgegen.
"Entschuldige bitte, aber bist du Halbasiatin?" Darauf war ich nicht vorbereitet. Netter, eigentlich ganz schmucker Kerl. "Ähm, nein.." - "Oder haben deine Eltern eine andere Nationalität?" Konnte ich ebenfalls verneinen. "Wirklich nicht? Wow, als ich muss sagen, dass du wirklich total schöne Augen hast. Die zaubern ein richtig schönes Gesicht." Ich muss dazu sagen, dass ich Lob in Sachen Aussehen nie gewohnt war und in den letzten Jahren (seit die Männer auf mich aufmerksam wurden) nicht damit umgehen konnte. So stammelte ich auch nur lächelnd geziert ein Danke und sowas wie "die letzten Tage öfters gehört.. Mandelaugen.." Ob ich meinen Parkplatz suchen würde, fragt er. "Nein, so schlimm ist es nun doch noch nicht mit mir", werfe ich lachend ein. Dass ich jemanden mit Handy suche. Müsse jemanden anrufen wegen Abholung. Wen? Meinen Freund. "Schade", meint er. "Aber hättest du Lust auf einen kleinen Job heute abend bei einem Klitschko-Kampf?" Kämpft der heute.. hmn.. überleg.. was soll das für eine Masche sein.. oder war das noch ein Kompliment zu meiner Figur? Soll ich Rundenmädchen sein? Wohl eher Nahkampfwaffe. Naja, die Antwort ist trotz aller Gedanken sowieso ein klares aber freundlich lächelndes "Nein." Ob man mich mal anrufen dürfe. Na, der geht aber ran. Ich lächel immernoch. "Nein." Er lächelt lieb und sagt "Schade, aber ich wünsche dir einen schönen Tag, machs gut."

Immerhin sitzen die Fotos nun nicht mehr ganz so tief und grummelnd in der Magengegend. Also weiter auf elektronische Kommunikationssuche.

Ich habe früh gemerkt, dass es wenig Sinn macht, darauf zu warten, dass bereits sichtbar telefonierende Mobiltelefonbesitzer ihre Gespräche beenden. Wer einmal spricht, der stoppt es nicht. Paare gemischten Geschlechts sind ebenfalls schwer aufzuhalten. Ab einem gewissen Alter ist die Quote hoch, dass bei Nennung des Objektes meiner Begierde nur ein Fragezeichen oder eben ein "Wozu?" ins Gesicht geschrieben steht. Zwei Damen sprechen entweder englisch (hier wären sicherlich die Gebühren zu hoch, als dass ich rücksichtsvoller Mensch tatsächlich meine Frage nochmals in deren Landessprache wiederholen wollte) und einsame Männer führen gleich ein Verhör und sind dann enttäuscht, wenn man erwähnt, man möchte den eigenen Partner zwecks Abholung anrufen.

Kurz und knapp: Ein türkisches Mädel in meinem Alter mit nicht genutztem Handy in der Hand fand meine rührende Geschichte vom leeren Akku und des Unbewusstseins über die Wiederfindungslocation alarmierend genug, um mir sofort ihr Handy entgegenzustrecken. (Vielen Dank, falls du dies liest!)
Meine angebotenen 20 Cent (mehr sollte so ein Anruf nicht kosten) lehnte sie ab, als ich E-Plus erwähnte - Freiminuten, fein.

Nun war das Handy von Schatzi aber besetzt. Auch nach fünf Versuchen nix. Ich will weiter. Sie schlägt vor, es weiter zu versuchen, bis sie ihn erreicht. Wo ich ihn treffen wollte. Aha. Okay, sagt sie ihm. Ich gehe los, warte am Balzac, mir ist kalt. Ich hole mir einen Marsala Chai Latte tall. Würzig, wärmend. Gut. Unruhe. Kein Flo. 20 Cent noch griffbereit in der Tasche (sollte ja das schnelle Überzeugungsmittel für Angesprochene sein). Wenn hier doch nur... Zufall: Hey, 10 Meter vor mir einer dieser seltenen Telekom-Münzsprachautomaten. "Nachricht erhalten, wo bist du?" Nachricht erhalten. Mädel hat Wort gehalten. Gut, bissel falsch den Standort beschrieben. Aber in 1 Minute Fußmarsch bin ich bei ihm. Wunderbar.

Somit sind wir dann weiter gefahren zur Weihnachtsfeier unseres Clubs. Kegeln, Wichteln, Kegeln, Schrottwichteln, Rodizio futtern. Lecker. 10 Fleischsorten nacheinander vom Spieß geschnitten (oder geschnitzt - viele Kleinstportionen mit jeweils einem Esslöffel Beilage - zu jedem Gang eine andere) und im Anschluss zwei Sorten Nachtisch - am Spieß gegrillte Ananas und gebackene Banane von der Silberplatte. Davon erhielten wir diesmal zwei Portionen, da letztes Jahr für uns (wir waren die letzten im Saal, die bedient wurden) nichts mehr übrig war.

Glücklich und satt, hüpfend zur Live-Musik zweier wirklich guter Musiker, die hauptsächlich lateinamerikanisch trällerten, aber auch Mitsingsongs ala "Bamboleo", ließen wir den Abend ausklingen. Sehr schön.

14.12.08 09:23

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